Hans Joachim Praefcke - Lehr- und Lernmittel - Bücher
Pressestimmen zu

Christine Paul: Reha-Sehtraining


Rundschreiben des Berufsverbandes der Orthoptistinnen Deutschlands e. V.:

... Der Ordner ist sehr übersichtlich gestaltet und didaktisch gut aufgebaut. Jeder Orthoptistin, die ihr Arbeitsgebiet erweitern möchte oder vermehrt zerebral gestörte Patientin in ihrer Praxis hat, wird dieses Buch die Hemmungen vor diesem Patientengut nehmen.

Frau Paul bietet eine kleine Einführung in das Sehen und Ansätze der Neuroophthalmologie. Sie weist auf die Notwendigkeit der Fortbildung auf diesem Gebiet hin und hat einige Literaturempfehlungen im Anhang. Die Möglichkeiten und Grenzen werden gut und realistisch aufgezeigt. Die Anleitungen zum Sehtraining sind sehr logisch aufgebaut. ...

Frau Paul hat seit langem eine sehr große Erfahrung mit diesen Schulungen. Allein für das Dominospiel hat sie schier unendlich viele Spiel- und Therapiemöglichkeiten gefunden.

Fazit: Eine gute Entscheidungshilfe für alle interessierten Orthoptistinnen, die sich nach Lektüre des Buches bestimmt für den Beginn eines Reha-Sehtrainings entscheiden werden. Auch für die "normale" Orthoptistin bietet das Buch viele wertvolle Schulungstips. ...

Die Therapiebox enthält die Grundausrüstung (Dominosteine, Klemmhalter, Folien, Lineal etc.) und ist jederzeit ausbaufähig.


Ophthalmologische Nachrichten, Ausgabe 3/1998:

Pro Jahr erleiden etwa 500.000 Menschen eine Schädigung des Gehirns. Die Tendenz ist steigend und alarmierend, besonders beim sogenannten Schlaganfall. Abhängig von Art und Ursache der Hirnschädigung gibt es eine Vielzahl von Defekten im visuellen System. Es sind dies Gesichtsfeldausfälle, Augenmuskelparesen, Motilitätsstörungen, Fusionsschwäche, der Verlust scharfer Bilder, zerebrale Amblyopien, Farberkennungsstörungen und Störungen der Akkomodation.

Diese hilfesuchenden Patienten waren für die Autorin Mitte der 80er Jahre Anlaß, über ein Behandlungskonzept, das umfassend die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Orthoptik und Pleoptik einschließt.

Die bestehenden Klinikbehandlungsmuster lassen sich nicht auf die Arbeit der Orthoptistin in der Praxis übertragen. Die hierfür notwendige apparative Ausstattung steht in keinem Verhältnis zur Patientenzahl. Vor allem sprengen die klinischen Behandlungskonzepte jeden Zeitrahmen.

Die im Therapieleitfaden von Christine Paul erprobte und vorgestellte Diagnostik und Therapie berücksichtigt diese Besonderheiten und versucht, mit reduziertem Zeiteinsatz und einem 'Hausaufgabensystem' das Behandlungsziel zu erreichen. Der Therapieleitfaden ist übersichtlich in drei Schwerpunkte gegliedert.

Zunächst informiert eine ausführliche Einführung über die Rolle der Orthoptistin in der visuellen Rehabilitation, es werden Anleitungen zur Auswahl der in Frage kommenden Patienten gegeben. Nicht zuletzt erfolgt eine Einführung in die klinische Neuropsychologie und in das vernetzte Arbeiten im interdisziplinären Team.

Der nächste Schwerpunkt gliedert die Diagnostik zerebraler Sehleistungsstörungen. Die diagnostischen Schritte beinhalten die üblicherweise von der Orthoptistin durchgeführte Diagnostik. Den Hauptteil des Leitfadens zur Behandlung zerebraler Sehstörungen bildet das Kapitel Therapie. In zehn Lektionen steht der Orthoptistin ein umfangreicher Übungsteil für das Reha-Sehtraining zur Verfügung. Die Übungsblätter können für die Patienten fotokopiert werden und haben ein ansteigendes, differenziertes Anforderungsniveau. In einer Übersicht wird vor Beginn jeder Lektion der Umgang und Einsatz mit den Übungsblättern vorgestellt.

Das Wort Therapie wird von der Autorin kritisch im Sinne von 'Behandlung' gebraucht. Behandlung, die versucht, Sehstörungen durch Aktionen zu verbessern, den Patienten im Umgang mit seiner Sehbehinderung Techniken und Strategien zu lehren, die ihm helfen, sein visuelles Wahrnehmungsvermögen zu stabilisieren und ggf. zu rehabilitieren.

Eine Therapie im Sinne einer vollständigen Heilung ist in der Regel bei zerebralen Sehstörungen nicht möglich. Das Behandlungskonzept ist ehrlich und realistisch. Angefangen von Prismenversorgung bei Diplopie, Fusionsschulung, Erkennen von Lichtbedarf, Aufklärung bei Gesichtsfeldausfällen und ein Sehanwendungstraining. Sehanwendungstraining bedeutet in diesem Therapieleitfaden Erlernen von Kompensationsstrategien zum leichteren Sehen trotz gestörter visueller Wahrnehmung, bei Bedarf mittels optimierter optischer Hilfen. Das Reha-Sehtraining durch die Orthoptistin versucht, durch visuelle Stimulation eine Förderung des sehgesteuerten Verhaltens und durch visuelles Mobilisieren eine Verbesserung der Sehqualität und -quantität zu erreichen. Das Reha-Sehtraining betreibt die visuelle Stimulation systematisch aufbauend mit einem sehr zeitökonomisch angelegten Hausaufgabensystem. Augenarztpraxen, in denen eine Orthoptistin nach diesem Therapiekonzept Patienten behandelt, sind in Fachkreisen, insbesondere bei Neurologen, rasch bekannt und haben großen Zulauf. Es ist unerläßlich, daß sich auch der Ophthalmologe mit mehr Aufmerksamkeit solchen Patienten widmet.

Marlies Lenk-Schäfer